"ABS
- Auch Beten Sinnlos?" (Mogodi am 24.09.2006)
Der Schiffbrüchige
Ein
reicher Athener machte mit anderen eine Seefahrt. Als ein heftiger Sturm aufkam
und das Schiff kenterte, suchten sich alle, anderen durch Schwimmen zu retten.
Der Athener aber der bei jeder Gelegenheit die Athene anrief, gelobte ihr wunder
was, wenn sie ihn rette. Da sagte einer von den Schiffbrüchigen, der in de Nähe
schwamm: "Beten kannst du zu Athene, aber du musst auch schwimmen!"
Gedanken
zum Thema "fürbittendes Gebet", die Stefan beim Mogodi
vorgetragen hat,
könnt
ihr ausführlich nachlesen bei Hubertus Halbfas, Der Sprung in den Brunnen. Eine
Gebetsschule. Patmos Verlag.
Einen
Auszug hieraus könnt ihr hier
herunterladen
(aus
dem Mogodi am 9. Juli 2006))
„Wachsen
lassen"
"Ein
Mann hatte seinen kleinen Acker gut vorbereitet, gepflügt und gesät. Er
wunderte sich nur nach ein paar Wochen, dass die Saat so langsam aufging. Auf
dem Feld des Nachbarn sah er schon kräftigen grünen Wuchs! Von Tag zu Tag
wurde seine Ungeduld größer. Er konnte vor Sorge nicht mehr schlafen. Schließlich
hatte er eine Idee. Er ging zu seinem Feld und begann, die zarten Halme etwas in
die Höhe zu ziehen. Das war eine mühsame Arbeit, aber schließlich hatte er es
geschafft. Unterwegs traf er den Nachbarn und erzählte ihm, dass er seinem Korn
beim Wachsen geholfen habe. Neugierig geworden, ging der zu dem Feld und sah
alles zerstört und verwelkt. Noch lange lachte man im Dorf über den Mann, der
nicht warten konnte." (W. Hoffsümmer, Kurzgeschichten 1,7)
"Wir
verkaufen nur den Samen"
Ein junger Mann betrat im Traum
einen Laden. Hinter der Theke stand ein Engel.
Hastig fragt er ihn: "Was verkaufen Sie, mein Herr?"
Der Engel antwortete freundlich: "Alles, was Sie wollen."
Der junge Mann begann aufzuzählen:
"Dann hatte ich gern das Ende aller Kriege in der Welt, bessere Bedingungen
für die Randgruppen der Gesellschaft, Beseitigung der Elendsviertel in
Lateinamerika, Arbeit für die Arbeitslosen, mehr Gemeinschaft und Liebe in der
Kirche und ... und ..."
Da fiel ihm der Engel ins Wort: "Entschuldigen Sie, junger Mann, Sie haben
mich falsch verstanden.
Wir verkaufen keine Früchte, wir verkaufen nur den Samen."
(aus
dem Mogodi am 25. September 2005))
„Der
Blumentopf und das Bier"
Wenn
die Dinge in deinem Leben immer schwieriger werden, wenn 24 Stunden im Tag nicht
genug sind, erinnere dich an den “Blumentopf und das Bier“.
Ein
Professor stand vor seiner Klasse, nahm wortlos einen sehr
grossen Blumentopf und begann diesen mit Golfbällen (oder große Flusskiesel)
zu füllen. Er fragte die Studenten, ob der Topf nun voll sei. Sie bejahten es.
Dann
nahm der Professor ein Behältnis mit Kieselsteinen und schüttete diese in den
Topf. Er bewegte den Topf sachte und die Kieselsteine rollten in die Leerräume
zwischen den Golfbällen (Steinen). Dann fragte er die Studenten wiederum, ob
der Topf nun voll sei. Sie stimmten zu.
Der
Professor nahm als nächstes eine Dose mit Sand und schüttete diesen in den
Topf. Natürlich füllte der Sand den kleinsten verbliebenen Freiraum. Er fragte
wiederum, ob der Topf nun voll sei. Die Studenten antworteten einstimmig
“ja“.
Der
Professor holte zwei Dosen Bier unter dem Tisch hervor und schüttete den ganzen
Inhalt in den Topf und füllte somit den letzten Raum zwischen den Sandkörnern
aus. Die Studenten lachten.
“Nun“,
sagte der Professor, als das Lachen
langsam nachliess, “Ich möchte, dass Sie diesen Topf als die Repräsentation
Ihres Lebens ansehen. Die Golfbälle (großen Steine) sind die wichtigen Dinge
in Ihrem Leben: Ihre Familie, Ihre Kinder, Ihre Gesundheit, Ihre Freunde, die
bevorzugten, ja leidenschaftlichen Aspekte Ihres Lebens. “Die Kieselsteine
symbolisieren die anderen Dinge im Leben wie Ihre Arbeit, Ihr Haus, Ihr Auto.
Der Sand ist alles andere, die Kleinigkeiten.
Falls
Sie den Sand zuerst in den Topf geben“, fuhr der Professor fort, “hat es
weder Platz für die Kieselsteine noch für die Golfbälle.
Dasselbe
gilt für Ihr Leben. Wenn Sie all Ihre
Zeit und Energie in Kleinigkeiten investieren, werden Sie nie Platz haben für
die wichtigen Dinge. Spielen Sie mit den Kindern. Nehmen Sie sich Zeit für eine
medizinische Untersuchung. Führen Sie Ihren Partner zum Essen aus. Es wird
immer noch Zeit bleiben um das Haus zu reinigen oder Pflichten zu erledigen.
“Achten Sie zuerst auf die Golfbälle, die Dinge, die wirklich wichtig sind.
Setzen Sie Ihre Prioritäten. Der Rest ist nur Sand.“
Einer
der Studenten erhob die Hand und wollte wissen, was denn das Bier repräsentieren
soll.
Der
Professor schmunzelte: “Ich bin froh, dass Sie das fragen. Es ist dafür da,
Ihnen zu zeigen, dass, egal wie schwierig Ihr Leben auch sein mag, es immer noch
Platz hat für ein oder zwei Bierchen.“
(ein
paar Texte von der Motorradwallfahrt nach Burgund 4.-11-Juni 2005))
„Die Geschichte von dem Grafen, der sehr sehr alt wurde, weil er ein
Lebensgenießer par excellence war"
Er
verließ niemals das Haus, ohne sich zuvor eine Hand voll Bohnen einzustecken. Er
tat dies nicht etwa, um
die Bohnen zu kauen. Nein, er nahm
sie mit, um die schönen Momente des Tages bewusster wahrzunehmen
und sie besser zählen zu können.
Jede positive Kleinigkeit, die er tagsüber erlebte
– z.B. einen fröhlichen Plausch auf der Straße, das
Lachen seiner Frau, ein köstliches Mahl, -eine feine Zigarre, einen
schattigen Platz in der Mittagshitze, ein Glas guten
Weins, der Duft einer Rose -, für alles, was die Sinne
erfreute. ließ er eine Bohne von
der rechten in die linke Jackentasche wandern. Manchmal waren es gleich zwei oder
drei.
Abends saß er dann zu Hause und zählte die Bohnen aus der linken Tasche. Er zelebrierte diese Minuten. So
führte er
sich vor Augen, wie viel Schönes ihm an diesem Tag widerfahren war
und freute sich.
Und
sogar an einem Abend, an dem er bloß eine Bohne zählte, wer der Tag gelungen
und es hatte
sich zu leben gelohnt
Zwei
Mönche
Es
waren zwei Mönche, die lasen miteinander in einem alten Buch, am Ende der Weit
gäbe es einen Ort, wo sich Himmel und Erde berühren, einen Ort, wo Gott sei.
Sie beschlossen diesen Ort zu suchen und nicht eher umzukehren, bis sie ihn
gefunden hätten. Sie durchwanderten die Weit, bestanden unzählige Gefahren, Mühen
und Strapazen, aber auch Versuchungen, die einen Menschen vom Ziel abbringen könnten.
Eine Tür sei dort, so hatten sie gelesen, man brauche nur anzuklopfen und
befinde sich bei Gott.
Nach
langer Zeit fanden sie, was sie suchten. Sie klopften an die Türe. Bebenden
Herzens sahen sie, wie sie sich öffnete. Und als sie eintraten, standen sie
zuhause in ihrer Klosterzelle. Da merkten sie: der Ort, wo Himmel und Erde sich
berühren, der Ort, wo Gott ist, befindet sich auf der Erde, an der Stelle, wo
Gott uns haben will, an der Stelle, wo wir leben.
„Der
Mai ist gekommen, die Biker schwärmen aus"
(Motto
des Gottesdienstes am 1. Mai 2005)
1.
Der Mai ist gekommen, die Biker schwärmen aus,
wer kein’ Sprit hat der bleibe mit Sorgen zu Haus !
Wie die Wolken dort wandern am himmlischen Zelt,
so steht auch mir der Sinn in die weite, weite Welt.
2.
Herr Vater, Frau Mutter, daß Gott euch behüt!
Wer weiß, wo in der Ferne mein Glück mir noch blüht.
Es gibt so manche Straße, die nimmer ich passiert;
es gibt so manche Kurve, die ich nicht ausprobiert.
3. Frisch auf brumm, frisch auf brumm im hellen Sonnenstrahl,
wohl über die Berge, wohl durch das tiefe Tal!
Die Motoren erklingen, der Fahrtwind rauscht an mir vorbei,
mein Herz ist wie 'ne Lerche und fühlet sich ganz frei.
4. Hey Kumpel, he Frauchen, kommt holt den Bock hinaus,
Wir
geh’n nun auf die Reise, was kümmern uns die Staus!
Ob
Sonne, ob Regen, auf Wiesloch fahren wir dann heut’,
denn
dort gibt’s für uns den Segen, Musik und nette Leut’.
5.
Nach dem Beten wird gegessen und Mopeds angeguckt,
Wir
reden Benzin und die Gashand bald uns juckt.
Dann
auf in den Odenwald, auf Kurven über’s weite Land,
Und
beim Buckelwirt, zum Kaffee, der Weg ist ja bekannt.
6. O Biken, o Biken, du freie Burschenlust, (für Bikerinnen: Mädelslust)
da wehet Gottes Odem so frisch in die Brust;
da singet und röhret der Auspuff zum Himmelszelt:
wie bist du doch so schön, o du weite Bikerwelt !
Text: Stefan von Rüden frei nach Emanuel Geibel (1835)
(der
fuhr im Herzen schon Moped, als es diese noch gar nicht gab)
Weise: Justus W. Lyra (1842)
______________________________________________
„Die
Seele in die Sonne halten"
(Motto
des Gottesdienstes am 6. Juli 2003)
Dem
Missionar einer Buschkirche in Neuguinea fiel ein Mann auf,
der
immer nach der Sonntagsmesse noch lange Zeit
in der Kapelle auf dem Balken knien
blieb,
den
man dort anstelle eines Knieschemels gebrauchte.
Er
konnte nicht lesen;
er
schaute nur mit auf der Brust gekreuzten Armen zum Altar,
der
jetzt abgeräumt und leer war.
Einmal
nahm sich der Missionar e in Herz und fragte den Eingeborenen,
was
er denn da die ganze Zeit tue.
Der
antwortete lächelnd:
„Ich
halte meine Seele in die Sonne.“
______________________________________________
„Gebet
des träumenden Motorradfahrers"
„Guter
Gott,
Manchmal
träume ich davon...
...
weit weg zu fahren, z.B. zum Nordkapp,
eine
Expedition zu bestehen, nach Afrika oder Indien z.B.
...
als strahlender Sieger über den Ring zu heizen,
und
in der Kurve bestaunt und gefeiert zu werden
...
mit Sozia oder Sozius auf einem Tourer in den Urlaub zu „dampfen",
gemächlich
und bequem durch reizvolle Landschaft zu gleiten
..
als Chopperfahrer, Peter Fonda gleich, auf Easy-Rider-Schwingen
den
Wind willkommen zu heißen."
______________________________________________
Motorradsegnung – GEBET:
Herr
und Gott, wir stehen vor deinem Angesicht und rufen zu dir:
Segne
diese Motorräder, ihre Fahrer und Fahrerinnen
und
beschütze sie vor Unglück und Schaden.
Lass’
sie Freude finden am Fahren und erhalte Ihnen die nötige Übersicht.
Bewahre
sie vor der Unachtsamkeit von LKW-und Autofahrern
und
schenke ihnen Geistesgegenwart,
Coolness
sowie das nötige Geschick,
in
gefährlichen Verkehrssituation richtig zu reagieren.
Lass’
sie immer wieder wohlbehalten zuhause ankommen.
Das
gewähre uns durch Christus, unseren Herrn. AMEN
______________________________________________
Psalm
der Motorradfahrers
Ich
will Dich loben, Du Gott des Himmels und der Erde,
der
Du die Welt geschaffen hast.
Ich
will Dich loben, der Du die Berge und die Seen,
die
Wiesen und die Wälder meinem Auge zeigst.
Ich
will Dich loben, der Du die Straße vor mir ausbreitest,
die
Straße mit dem glatten Asphalt.
Gott,
wenn ich den Fahrtwind im Gesicht spüre,
fühle
ich Deine erfrischende Gunst.
Wenn
ich die Bäume und die Felder an mir vorbeigleiten sehe,
so
freue ich mich meines Lebens.
Wenn
ich mein Motorrad beschleunige,
so
drücke ich meine Lebensfreude aus.
Doch
Gott, wenn ich in den Morgen fahre,
so
weiß ich nicht, ob ich den Abend noch sehen werde.
Gott,
behüte mich vor Unfall und Gefahr, vor Leichtsinn und Übermut,
behüte
mich auf der Straße und bewahre mein Leben vor dem Tod.
Gott,
ich will Dich loben auf der Straße im frischen Fahrtwind, solange ich lebe.
Amen!
______________________________________________
Die
Geschichte von "Frederik" und "Werner"
(aus:
Motorradgottesdienst am 7. Oktober 2001)
Thema:
„Ich
sammle Farben für den Winter"
|
Leo
Leonni: Frederik
|
©
Kalle
Richstein: "Werner"
|
|
Rund
um die Wiese herum,
wo
Kühe und Pferde grasten,
stand
eine alte, alte Steinmauer.
|
Rund
herum, wo man auch hinsah in der alten Garage: altes Blech, Werkzeuge im
Ölgeruch.
Und:
Ein Motorrad.
|
|
In
dieser Mauer
- nahe bei Scheuer und Kornspeicher –
wohnte
eine Familie schwatzhafter Feldmäuse. |
Im
Haus neben der Garage
-
nahe beim Stadtzentrum –
wohnte
eine WG schwatzhafter
Studenten
der Elektrotechnik.
|
|
Aber
die Bauern waren weggezogen,
Scheuer
und Kornspeicher standen leer.
Und
weil es bald Winter wurde,
begannen
die kleinen Feldmäuse Körner, Nüsse, Weizen und Stroh zu sammeln.
Alle
Mäuse arbeiteten Tag und Nacht.
Alle
– bis auf Frederik. |
Aber
das Semester hatte bereits wieder begonnen, Mathe-Kurs-IV und
Elektrodynamik standen auf den Stundenplänen. Und weil es allmählich
Winter wurde, vergruben sich alle in Übungsaufgaben und
Klausurvorbereitungen.
Sogar
Studentische Hilfsjobs wurden zusätzlich angenommen.
Alle
arbeiteten Tag und Nacht.
Alle
– bis auf Werner.
|
|
„Frederik,
warum arbeitest du nicht?"
fragten
sie.
„Ich
arbeite doch", sagte Frederik,
„ich
sammle Sonnenstrahlen für die kalten, dunklen Wintertage." |
„Werner,
warum arbeitest du eigentlich nicht und fährst bei jedem Sonnenstrahl mit
deinem Mopped spazieren?", fragten vorwurfsvoll die Kommilitonen.
„Ich
arbeite doch", sagte Werner,
„ich
sammle Eindrücke für die kalten und dunklen Wintertage."
|
|
Und
als sie Frederik so dasitzen sahen,
wie
er auf die Wiese starrte, sagten sie:
„Und
nun, Frederik, was machst du jetzt?"
„Ich
sammle Farben", sagte er nur,
„denn
der Winter ist grau". |
Und
als sie Werner einmal mehr mit Stiefel und Jacke auf die Strasse
aufbrechen sahen, fragten sie:
„
Und nun, Werner, was machst Du jetzt?"
„Ich
sammle Farben", sagte er knapp,
„wer
weiß, wie lange ich noch fahren kann?"
|
|
Und
einmal sah es so aus, als sei Frederik halb eingeschlafen.
"Träumst du, Frederik?"
Fragten
sie vorwurfsvoll.
„Aber
nein", sagte er, „ich sammle Wörter. Es gibt viele lange
Wintertage – und dann wissen wir nicht mehr, worüber wir sprechen
sollen" |
Und
einmal dachten sie, Werner wollte überhaupt nicht mehr zum Schaffen
zurückkommen. „Wovon der überhaupt lebt?" fragten sie nicht ohne
arroganten Unterton.
Als
er am späten Nachmittag wieder eintraf und ihren Gesichtsausdruck sah,
sagte er: „Was ihr immer habt! Man kann doch nicht nur aus Büchern
leben!"
|
|
Als
nun der Winter kam und der erste Schnee fiel, zogen sich die fünf kleinen
Feldmäuse in ihr Versteck zwischen den Steinen zurück. |
Als
nun der Winter richtig hereinbrach, musste auch Werner seine Maschine
einmotten.
Bei
fünf Zentimeter Neuschnee und Glatteis ging nichts.
|
|
In
der ersten Zeit gab es noch viel zu essen, und die Mäuse erzählten sich
Geschichten über singende Füchse und tanzende Katzen.
Da
war die Mäusefamilie ganz glücklich! |
In
der ersten Zeit lernte und schaffte nun auch Werner. Es gab ja manches
aufzuholen.
Seine
Mitbewohner registrierten das mit Wohlwollen: „Na endlich, jetzt hat der
auch kapiert, wo´s langgeht!"
|
|
Aber
nach und nach waren fast alle Nüsse und Beeren aufgeknabbert, das Stroh
war alle und an Körner konnten sie sich kaum noch erinnern.
Es
war auf einmal sehr kalt zwischen den Steinen und der alten Mauer,
und
keiner wollte mehr sprechen. |
Aber
nach und nach schwand der Arbeitseifer. Es fiel schwer, morgens aus dem
Bett zu kommen und noch schwerer, sich abends hinter die Bücher zu
klemmen.
Auch
wenn der eine sich eine neue Stereoanlage und der andere ein neues Laptop
leistete,
keiner
konnte sich mehr daran erinnern, mit welchem Elan man in das Semester
gestartet war.
|
|
Da
fiel ihnen plötzlich ein, wie Frederik von Sonnenstrahlen, Farben und
Wörtern gesprochen hatte.
„Frederik!"
riefen sie,
„Was
machen deine Vorräte?" |
Da
fiel eines Tages einem ein, das Werner einmal etwas von Eindrücken,
Sonnenstrahlen und Farben gefaselt hatte. „Hey", sprach er ihn
abends auf dem Gang an, „dir wird der Winter sicher besonders lang,
oder?"
|
|
„Macht
die Augen zu", sagte Frederik und kletterte auf einen großen Stein.
„Jetzt
schicke ich euch Sonnenstrahlen. Fühlt ihr schon, wie warm sie sind? Warm
und schön golden?"
Und
während Frederik so von der Sonne erzählte, wurde den vier kleinen
Mäusen schon viel wärmer.
Ob
das Frederiks Stimme gemacht hatte?
Oder
war es ein Zauber? |
„Ich
mach´ euch einen Vorschlag", sagte Werner, „ihr kommt heute Abend
alle zu mir auf die Bude und ich zeige Euch was". -
Als
abends die anderen etwas müde und lustlos bei ihm anklopften, hatte
Werner bereits seinen Diaprojektor aufgebaut. Auf der Elektroplatte
köchelte ein Glühwein vor sich hin und an der Wand hatte er eine große
Afrikakarte angepinnt.
|
|
„Und
was ist nun mit den Farben, Frederik?", fragten sie aufgeregt. „Macht
wieder eure Augen zu", sagte Frederik. Und als er von blauen
Kolrnblumen und roten Mohnblumen im gelben Kornfeld erzählte, da sahen
sie die Farben so klar und deutlich vor sich, als wären sie aufgemalt in
ihren kleinen Mäuseköpfen. |
„Was
ist das denn?", fragten sie.
„Setzt
euch erst mal hin!", sagte Werner, drückte jedem einen alten
Blechbecher in die Hand und verteilte großzügig das dampfende Getränk
aus dem schwarzen Kochtopf.
„Mmh",
entfuhr es einem,
und
ein anderer fragte „Das ist ja lecker, was ist denn da drin?"
|
|
„Und
die Wörter, Frederik?"
Frederik
räusperte sich, wartete einen Augenblick und dann sprach er wie von einer
Bühne herab:
"Wer streut die Schneeflocken?
Wer schmilzt das Eis?
Wer macht lautes Wetter?
Wer
macht es leis?
Wer
bringt den Glücksklee im Juni heran?
Wer
verdunkelt den Tag?
Wer zündet die Mondlampe an? |
Da
begann Werner von seiner Sommertour zu erzählen, von der langen Anfahrt
durch Frankreich nach Genua, zeigte Bilder prächtiger Patrizierhäuser
und zeichnete die Route der Überfahrt nach Algier auf der Karte nach.
Das
Getränk stieg den Zuhörern in die Köpfe und in manchem schaukelte es,
als säße er selber auf dem obersten Deck der Fähre. |
|
Vier
kleine Feldmäuse
Wie
du und ich
Wohnen
im Himmel
Und
denken an dich.
Die
erste ist die Frühlingsmaus,
die
lässt den Regen lachen.
Als
Maler hat die Sommermaus
Die
Blumen bunt zu machen.
Die
Herbstmaus schickt mit Nuss
Und
Weizen schöne Grüße.
Pantoffeln
braucht die Wintermaus für ihre kalten Füße.
Frühling,
Sommer, Herbst und Winter
Sind
die vier Jahreszeiten.
Keine
weniger und keine mehr.
Vier
verschiedene Fröhlichkeiten." |
„Ist
es das, was du immer meintest mit Sonnenstrahlen- und Farben
sammeln?", fragte der eine, allerdings schon nicht mehr ganz
flüssig...
Zu
den Bildern von Minaretten und Sanddünen sprach er – einfach so –
"Die Meinung von den Reisezwecken
wird
sich durchaus nicht immer decken,
wie
große Zeugen uns beweisen:
Man
reise wohl nur, um zu reisen,
meint
Goethe, nicht um anzukommen,
Begeisterungskraft,
genau genommen,
sei
der ureigenste Gewinn.
Montaigne
sieht des Reisens Sinn,
nur
darin, dass man wiederkehrt.
Darauf
legt auch Novalis wert;
Er
drückt es ungefähr so aus:
Wohin
wir gehen, wir gehen nach Haus."
|
|
Als
Frederik aufgehört hatte, klatschten alle und riefen:
"Frederik, du bist ja ein Dichter!" |
Als
Werner aufgehört hatte, klatschten alle und sagten:
"Mensch, Werner, Du hast ja ´ne richtig poetische Ader!"
|
|
Frederik
wurde rot,
verbeugte
sich und sagte bescheiden:
"Ich weiß es – ihr lieben Mäusegesichter!" |
Werner
wurde rot und sagte, dieses Gedicht sei ja eigentlich gar nicht von ihm. |
|
Aber
man hörte die WG-Bewohner noch Jahre danach davon erzählen, dass das
Aufstehen am nächsten Tag durchaus ein wenig leichter gefallen sei... |
Kohelet
(Prediger) für Biker
(aus:
Motorradgottesdienst
in Wiesloch am 13. Mai 2001)
Thema:
„Den
Motor (meines Lebens) rund laufen lassen"
|
Prophet Kohelet (Altes
Testament) |
Biker Kohelet |
|
3:1 Alles hat seine Stunde.
Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit: |
Mal ist das, mal was
anderes angesagt, je nach dem: |
|
3:2 eine Zeit zum Gebären
und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum
Abernten der Pflanzen, |
3:2 eine Zeit zum Moped
anmelden und eine Zeit zum Moped abmelden, eine Zeit zum Pflegen und eine
Zeit zum Fahren, |
|
3:3 eine Zeit zum Töten
und eine Zeit zum Heilen, eine Zeit zum Niederreißen und eine Zeit zum
Bauen, |
3:3 eine Zeit zum Töten
und eine Zeit zum Heilen, eine Zeit zum Niederreißen und eine Zeit zum
Bauen, |
|
3:4 eine Zeit zum Weinen
und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den
Tanz; |
3:4 eine Zeit zum Weinen
und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit fürs Auskurieren von Sturzfolgen und
eine Zeit für den erneuten Kurventanz; |
|
3:5 eine Zeit zum Steine
werfen und eine Zeit zum Steine sammeln, eine Zeit zum Umarmen und eine
Zeit, die Umarmung zu lösen, |
3:5 eine Zeit zum Steine
werfen und eine Zeit zum Steine sammeln, eine Zeit zum Umarmen und eine
Zeit, die Umarmung zu lösen, |
|
3:6 eine Zeit zum Suchen
und eine Zeit zum Verlieren, eine Zeit zum Behalten und eine Zeit zum
Wegwerfen, |
3:6 eine Zeit zum Mopedkauf
und eine Zeit zum Verkaufen, eine Zeit zum Behalten und eine Zeit zum
Wegwerfen, |
|
3:7 eine Zeit zum
Zerreißen und eine Zeit zum Zusammennähen, eine Zeit zum Schweigen und
eine Zeit zum Reden, |
3:7 eine Zeit zum
Zerreißen und eine Zeit zum Zusammennähen, eine Zeit zum Schweigen und
eine Zeit zum Reden, |
|
3:8 eine Zeit zum Lieben
und eine Zeit zum Hassen, eine Zeit für den Krieg und eine Zeit für den
Frieden. |
3:8 eine Zeit zum Lieben
und eine Zeit zum Hassen, eine Zeit für den Krieg und eine Zeit für den
Frieden. |
|
3:9 Wenn jemand etwas tut -
welchen Vorteil hat er davon, dass er sich anstrengt? |
3:9 Wenn jemand etwas tut -
welchen Vorteil hat er davon, dass er sich anstrengt? |
Biker-Psalm
(dem
biblischen Psalm 16 nachempfunden)
Dir,
Gott, will ich vertrauen!
Wenn ich auf meine Maschine steige, erinnere ich mich daran,
dass ich in Deiner Hand bin.
Du bist die Power meines Lebens!
Du gibst mir Speed für den Weg, der vor mir liegt!
Du hast ein Ziel für mich, für das es sich zu leben lohnt!
Um
mich herum sind zu viele, die nichts von Dir wissen wollen:
"Glück gehabt", sagen die einen - "Pech gehabt", sagen die
anderen.
So denke auch ich hier und da - leider!
Aber
ich weiß:
Wer auf der Straße immer nur den eigenen Vorteil sucht,
die anderen schneidet und bedrängt -
wer sich immer und überall auf Kosten anderer durchsetzen will,
der hat irgendwann ausgespielt:
Du lässt Dich nicht dauernd auf die Schippe nehmen, Gott!
Irgendwann spielst Du nicht mehr mit...
Was
ich brauche, weißt Du ganz genau, Herr - besser, als ich selbst.
Du kannst sie mir geben:
die Gelassenheit, meine Touren wirklich zu genießen.
Du kannst sie mir nehmen:
die Angst, die mich lähmt, wenn ich handeln oder helfen soll.
Du kannst sie mir schenken:
die Aufmerksamkeit anderen gegenüber.
Du kannst sie mir zuteil werden lassen:
die Liebe, die mir verzeihen hilft - so, wie Du mir vergibst.
Du
freust Dich mit mir, wenn ich Gas gebe,
und wenn der Fahrtwind mich die Freiheit erahnen lässt.
Ich finde es gut - und es beruhigt mich auch ein wenig,
dass Du mit mir auf die Bremse trittst, wenn es nötig ist.
Ich
bin gewiss, dass Du mich bewahren kannst, Herr,
vor Unfall und Gefahr, vor Unachtsamkeit und Übermut.
Bei Dir ist unser aller Leben in guten Händen.
Du lässt mich nicht zur Hölle fahren.
Du bist und bleibst der treue Gott.
Ich
mache mich auf den Weg. Du, Gott, bist bei mir. Amen
Quelle:
www.fcg-biker.de
______________________________________________
Gebet für
Motorradfahrer
Herr, unter dem Helm bin ich allein mit
dir,
inmitten Deiner herrlichen Schöpfung.
Das Asphaltband schlängelt sich durch Wiesen, Wald und Felder,
ich rieche die Natur und spüre fast unendliche Möglichkeiten.
Sanft bebt die Maschine unter mir,
ihre Kraft hast Du in meine Hand
gegeben,
fast ist mir, als flöge ich davon.
Winzige Bewegungen meines Körpers und meiner Hände
verändern Horizont und Perspektive.
Unerreichbar bin ich für alle,
die den Rausch meiner Freiheit
begrenzen könnten,
allein - und doch nicht allein gelassen
von Dir.
Dein Engel fährt mit mir und bewahrt mich vor Unvernunft,
Deine schützende Hand leitet mich von Kurve zu Kurve.
Herr, ich danke Dir für das Leben, das Du mir gegeben hast,
für alle Vielfalt - und für das Motorradfahren.
Reinhard Arnold
Quelle:
www.fcg-biker.de
|